MusikWald.Schleswig-Holstein

Neue Facetten für die musikpädagogische Arbeit mit Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren

Das Vorhaben „MusikWald.Schleswig-Holstein“ strebt die Entwicklung eines neuen, elementaren Musikschulangebotes für Kinder von 3 bis 6 Jahren in den Musikschulen des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein mit modellhaftem Innovationscharakter an. Das Vorhaben wird vom LVdMSH in Kooperation mit den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, dem Nordkolleg Rendsburg und der Musikhochschule Lübeck durchgeführt. Gefördert wird das auf rund zwei Jahre angelegte Vorhaben von der Bingo! Projektförderung Schleswig-Holstein und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.

Bundesweit ist nicht bekannt, dass derartige Vorhaben im Verband deutscher Musikschulen umgesetzt werden. Der Innovationscharakter des Vorhabens zeichnet sich zudem dadurch aus, dass mit diesem Angebot gesellschaftliche Entwicklungen nachgekommen wird. Die Nachfrage an Waldkindergärten steigt und die Themen Umwelt, Natur und Wald gewinnen immer mehr an Bedeutung. Musikalische Bildungsarbeit kann mit diesem Projekt solche gesellschaftlichen Entwicklungen aufgreifen und nutzbar machen.
Das Vorhaben gliedert sich in vier Projektphasen und beinhaltet u.a. Weiterbildungsmaßnahmen für Musikschullehrkräfte sowie die Erprobung des neuen Unterrichtsformates in Waldkindergärten in Schleswig-Holstein. Die Weiterbildungen für Musikschullehrkräfte im Rahmen des Vorhabens „MusikWald.Schleswig-Holstein“ finden voraussichtlich von Februar – April 2022 statt.

Projektziel

Mit dem Vorhaben „MusikWald.Schleswig-Holstein“ soll ein neues Unterrichtsformat konzipiert und erprobt werden. Das elementare Musizieren soll um einen Zweig erweitert werden. Hierfür sollen Kernelemente des Faches mit Elementen der Waldpädagogik vereint werden, um neue Angebote zu entwickeln, die überwiegend draußen stattfinden können. Das nachhaltige Ziel des Projektes ist, musik- und waldpädagogische Expertisen zusammenzuführen, ein neues Bildungsangebot für Familien umzusetzen und als Angebot der Musikschulen zu integrieren. Für die Musikschularbeit würde das bedeuten, neue Zielgruppen und Kooperationspartner erschließen zu können. Erstmalig wäre dann eine Zusammenarbeit mit Waldkindergärten möglich, da sich die bisherigen Angebote der elementaren Musikpädagogik auf geschlossene Räumen bezogen und u.a. auf klassische Instrumente angewiesen waren. Neue Konzepte sollen neue Möglichkeiten hervorbringen und nicht nur die herkömmlichen Angebote 1:1 nach draußen verlagern.

Projektphasen

Das Vorhaben ist in vier Projektphasen gegliedert, die inhaltlich von Prof. Marno Schulze (Professor für elementare Musikpädagogik an der Musikhochschule Lübeck) geleitet werden. Nach einer ausführlichen Bedarfsanalyse und Feldforschung werden die Ergebnisse in der Konzeptionierungsphase ausgewertet und bilden die Grundlage für die Weiterbildungsphase mit 22 Musikschullehrkräften. Die Erprobung soll an die öffentlichen Musikschulen gegliedert werdnen, in welcher Musikschullehrkräfte im Tandem mit Waldpädagog*innen die neuen Konzepte im Unterrichtsalltag anwenden. Zudem wird angestrebt, dass erste Kooperationen mit Waldkindergärten geschlossen werden sollen. In der anschließenden Evaluation werden die neu entwickelten Unterrichtformate ausgewertet und sogenannte Best-Practice-Methoden dokumentiert. Parallel soll ein Netzwerk zum Austauschen und Weiterentwickeln von Musik.Wald-Methoden für Musikschullehrkräfte entwickelt werden.

Hintergrund

Im Landesverband der Musikschulen in Schleswig-Holstein sind insgesamt 22 Musikschulen zusammengeschlossen. An diesen Schulen unterrichten mehr als 1.200 Lehrkräfte jährlich knapp 40.000 Schüler*innen jeden Alters in rund 450 Unterrichtsstätten. Unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus haben die Musikschulen und ihre Schüler*innen sehr gelitten. Der Lockdown und andere Unterrichtseinschränkungen, durch denen für rund 10.000 Musikschüler*innen auch monatelang nach dem Lockdown das gemeinsame Singen und der Gebrauch diverser Instrumente im Rahmen von Gruppenunterricht in geschlossen Räumen untersagt war, hat viele an die Grenze der Belastbarkeit geführt. Aus dieser Notlage ist die Idee eines neuen Bildungsangebotes entstanden, das zukünftig Kurse der Elementaren Musikpädagogik in der Natur ermöglichen soll. Der Bildungszweig, der auf die Musikvermittlung in der frühen Kindheit und das Grundschulalter zielt, wird jährlich von rund 7.000 Kindern zusammen mit ihren Eltern in Schleswig-Holstein genutzt. Hier werden die Kinder zum ersten Mal bewusst mit Tönen, Klängen und Geräuschen konfrontiert. Nachgewiesenermaßen werden hier die emotionalen, sozialen und insbesondere aber auch die sprachlichen Kompetenzen der Kinder gestärkt.
Die grundlegende Beschäftigung mit Musik ist seit Beginn der Corona-Krise nur eingeschränkt möglich. Wesentliche Elemente der elementaren Musikpädagogik, wie das gemeinsame Singen in geschlossenen Räumen, war nicht durchführbar. Dies hat zur Folge, dass das Fach nicht wie gewohnt gelehrt und gelebt werden kann und Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren die musikalische Bildung verwehrt bleibt.
Mit dem Vorhaben „MusikWald.Schleswig-Holstein“, soll der Bildungsbereich elementare Musikpädagogik um neue Facetten bereichert werden, um musikalische Bildung von Anfang an und ein Leben lang zu ermöglichen.
“Wir haben aus der Pandemie gelernt und wollen unsere Musikschularbeit innovativ aufstellen”, so Dr. Rhea Richter. Bei dem Projekt „MusikWald.Schleswig-Holstein“ geht es darum, Kernelemente der Elementaren Musikpädagogik mit Elementen der Waldpädagogik professionell zu vereinen und ein neues Angebot zu entwickeln, das überwiegend draußen stattfinden kann und über die bloße Mitnahme von Instrumenten in die Natur hinausgehen soll. Vielmehr sollen Synergien der beiden pädagogischen Ansätze gefunden und neue Methoden entwickelt werden.

 

Kontakt zur Projektkoordinatorin
Julia Redlich
Email: redlich[at]musikschulen-sh.de
Tel.: 04331 - 648 148